Ein zauberhafter Mittag bei Mandarinentorte Zu Besuch bei einer Dame aus Zucker – namens Dagmar Buchholz Wenn Frau Buchholz zum Kaffeetrinken lädt, ist Zusage Pflicht. Kundenbetreuerin Sophie Funke, Nachbarschafts- coach Tanja Lampas und Vermieterin Rebecca Wierig machten aus ihrer Mittagspause kurzerhand einen Nach- mittagskaffee bei einer ganz taufrischen Mieterin. Ein halbes Jahr wohnt sie erst bei der GEWOBAU, ist den Mitarbeiterinnen aus dem Mieterbüro Überruhr aber schon ganz vertraut. Mit einem Herzchenpullover öffnet Dagmar Buchholz die Tür. Es erklingt ein fröhliches „Schallala, I love you“ – aus dem Hintergrund. Schlagermusik aus der Alexa, die mag sie. Der Tisch ist sehr liebevoll gedeckt, es gibt Mandarinentorte, als würde ihre eigene Süße nicht reichen. Von der ersten Minute an nimmt Frau Buchholz‘ Liebreiz alle ein und es entsteht ein Wohlgefühl in ihrer Gegenwart. Sie fordert alle auf, viel Ku- chen zu essen, „mindestens drei Stück“, und serviert lachend Cappuccino. Das Telefon klingelt. Es ist ihre Enkelin, die genau weiß, wer bei der Oma zu Besuch ist. Mit leuchtenden Augen schwärmt die 1942 geborene Frau Buchholz von ihrer großen Familie: zwei Kinder, fünf Enkelkinder und zwei Urenkel. „Sie geben so viel Liebe zurück“, sagt sie. Genau wie ihre Freundinnen und Freunde, die sich nach dem Tod ihres Mannes bei ihr meldeten und sie wieder in ihren alten Turnerkreis holten. Der Freun- deskreis gebe ihr viel Halt. Nach vierzig gemeinsamen Jahren sei da viel Vertrautheit, die bei regelmäßigen Ausflügen, auf Reisen und bei Stammtischen vertieft wird. Eines bewegt sie besonders: die Unterstützung ihrer Familie beim Umzug in die GEWOBAU-Wohnung. „Oma, dat wird schon“, sagten die En- kelkinder und packten an. Und es wurde. „Von Stund‘ an“, sagt sie mit ihrem unverwechselbar süßen Lächeln, „war das hier mein Zuhause.“ Nur die Einsamkeit fühlt sich hier unwohl. Überall Erinnerungen: Babyfotos, Hochzeitsbilder, Familienmo- mente. Sie lebt voll Dankbarkeit in ihrer gepflegten, liebevoll dekorierten Wohnung – mit glänzendem Messing, feinen De- tails, frischen Tulpen. Eine Wohnung, die so warm ist wie die Geschichte ihres Lebens. 20 Kindheit, Familie und ein Leben für die Kinder Aufgewachsen ist die geborene Steelene- rin seit ihrem achten Lebensjahr in einem klei- nen Siedlungshaus in Steele-Horst, mit großem Gar- ten und noch größerem Zusammenhalt. „Alle haben mit angepackt, hier Häuser zu bauen“, erinnert sie sich. Es wurde ausgeschachtet, gebuddelt, gehämmert – bis al- les stand. Die Generationen tobten durch die Gärten, halfen sich gegenseitig, teilten Brot und Arbeit. Auch die Geschich- te mit Nachbarsjunge Harry beginnt dort, seine Eltern bauten am Haus nebenan. Harry half ihrer Familie bei wirklich allem, sie saß oft bei ihm mit am Küchentisch. Wie sich herausstel- len würde, tat sie das mit ihren Schwiegereltern. Im März 1961 wurde aus den Nachbarn ein Ehepaar. Im selben Jahr, im November, kam ihr erstes Kind zur Welt, sie zwinkert – ein Achtmonatskind. 1963 folgte ein weiteres. „Bei mir hat sich immer alles um die Kinder gedreht“, erzählt sie. Auch die Urlaube, meist Camping auf Texel, immer kind- gerecht geplant, immer mit dem Wunsch, ihren Liebsten die schönste Zeit zu schenken. Sie hat sich trotz aller Schicksals- schläge im Leben bewusst für Verbundenheit entschieden, für echtes Miteinander, für die Menschen, die sie umgeben, für die sie alles tut und die ihr all das doppelt zurückschen- ken. Selbstständigkeit, Ausbildung und beruflicher Weg Die Kuckucksuhr schlägt – Zeit, die mit ihr so angenehm ver- geht, dass man es kaum bemerkt. Gebunden sein, aber sich frei fühlen, so könnte man ihren Weg beschreiben. Neben ih- rer Fürsorge für andere hat sie sich selbst nie vernachlässigt. EINBLICK[]